Begriffsdefinitionen- was ist was in dem Dschungel der Begrifflichkeiten?!

Es gibt sehr viele (auch unterschiedliche) Erklärungen und Klärungen zu den Begriffen: Konzept, Modell und Theorie.

Wir schauen uns hier einmal einige an, die dann in der Zusammenfassung vielleicht ein bisschen Licht ins Dunkel bringen, da sie relativ logisch zueinander zu bringen sind.

Als erstes müssen wir uns den Begriff des Phänomens anschauen, um alles Weitere zu verstehen.

„Als Phänomen wird umgangssprachlich ein außergewöhnliches Ereignis oder ein Mensch mit außergewöhnlichen Eigenschaften bezeichnet. Im Philosophischen Sprachgebrauch bezeichnet Phänomen (von gr. Phainomenon, Erscheinung) zunächst die Erscheinung, sie sich aus der sinnlichen Wahrnehmung ergibt; später wird der Begriff dann auf Bewusstseinsinhalte und Gegenstände aller Art, sie sich der Erkenntnis darbieten übertragen“ (Kühne-Ponesch S. 36).

Das hört sich erst einmal sehr abstrakt an, aber es ist eigentlich ganz einfach. Für den Begriff Pflegephänomen gibt es bisher keine allgemein anerkannte Definition. Er wird zum Teil synonym für die Begriffe Pflegediagnosen oder Pflegeproblem verwendet. Kennzeichnend ist die „Wahrnehmbarkeit des Phänomens, die es Pflegenden ermöglicht, auf diese Wahrnehmung zu reagieren und Handlungen abzuleiten und zu initiieren.“

Also ein Pflegephänomen ist etwas, was in der Pflege (gehäuft) vorkommt und in Erscheinung tritt. Hier könnten wir jetzt einige Phänomene nennen. Im Umgang mit alten oder pflegebedürftigen Menschen können Pflegende konkrete Phänomene beobachten, wie Angst, Hoffnung, Trauer, Verlust, Ungewissheit oder Schmerz. Diese Pflegephänomene drücken die individuelle Reaktion des Menschen auf die Erfahrung mit dem veränderten Gesundheitszustand aus.

Um alle anderen Begriffe zu verstehen, ist das also unsere Basis.

Kommen wir zum Konzeptbegriff. Am verständlichsten ist hier die Definition von Meleis 1999, S.42 „Ein Konzept liefert uns eine präzise Zusammenfassung von Gedanken, die mit einem Phänomen zu tun haben“.

Konzepte sind erst einmal abstrakte Verallgemeinerungen von Sachverhalten die wir beobachten können. Durch ein Konzept erfolgt eine erste Klassifizierung und Kategorisierung. Konzepte sind die kleinsten Bausteine einer Theorie oder eines Modells. Es gibt konkrete /messbare Konzepte (z.B. Atmung, Muskeltonus, Inkontinenz) und abstraktere nicht messbare Konzepte (z.B. Unruhe, Machtlosigkeit, Hoffnungslosigkeit.)

Dies alles erschließt sich nachher einfacher in unserer Zusammenfassung.


Der Modellbegriff

Unter einem Modell verstehen wir im Allgemeinen die vereinfachende und modifizierte Darstellung eines tatsächlichen Sachverhaltes. Die Wirklichkeit wird zu einem besseren Verständnis vereinfacht! Wie bei z.B. einem Modell eines Flugzeuges oder eines Gebäudes, können Modelle in der Pflege(theorie) helfen Einblicke in strukturelle Zusammenhänge zu gewinnen.

Ein Modell ist nicht der Sachverhalt selbst. Es entsteht durch Vereinfachung, Verkleinerung und durch Akzentuierung wichtiger Strukturmerkmale.

Wir können uns alle ein Modell von einem menschlichen Herzen vorstellen, wie es für den Anatomieunterricht genutzt wird. Hier wird ja versucht eine Übersichtlichkeit herzustellen, dadurch das nur die wesentlichen Bestandteile der Wirklichkeit berücksichtigt werden.

Krohwinkel hat ja z.B. ein Rahmenmodell der ganzheitlichen fördernden Prozesspflege. Innerhalb dieses Modells gibt es dann kleinere Konzepte (wie z.B. der Pflegerische Handlungsprozess.

Das heißt, wir haben einmal ein Modell, in dem etwas vereinfacht dargestellt wird um es zu verstehen und innerhalb eines Modells gibt es dann abstraktere Konzepte.

Der Theoriebegriff

„Theorie zu betreiben bedeutet zunächst, dass man Annahmen über die so genannte Wirklichkeit trifft und hofft, dass diese richtig sind. Eine solche Theorie bildet z.B. die Annahme, dass mir eine Fahrkarte verkauft und ausgehändigt wird, wenn ich an einen Bahnschalter gehe und eine Fahrkarte kaufen möchte und bezahlen kann. Hinter diesem Verhalten steht die Theorie des Kaufens und Verkaufens. In den meisten Fällen ist uns diese Theorie nicht bewusst. Viele Wissenschaften wie die Sozialwissenschaft und die Pflegewissenschaft suchen nach Theorien, die dem Handelnden oft verborgen bleiben“ (Kühne-Ponesch, S.43).

„Theorie bezieht sich also nicht auf einfaches, konkretes Verhalten, sondern möchte möglichst viele Aspekte der Wirklichkeit miteinbeziehen“ (ebda. ff).

„Ziel ist es, eine Erklärung, Beschreibung und Vorhersage von Situationen, Handlungen und Ereignissen zu liefern. Theorien setzen sich dabei aus Konzepten zusammen, die ihrerseits Phänomene einer Disziplin miteinander in Beziehung bringen“ (ebda.ff).

Wahrgenommene Phänomene werden also mit Worten als Pflegekonzepte strukturiert. Der jeweilige Pflegetheoretiker entscheidet, welche Phänomene näher betrachtet und in Form von Pflegekonzepten Gegenstand einer Pflegetheorie werden.

Die Anordnung der Pflegekonzepte innerhalb einer Pflegetheorie ermöglicht die systematische Betrachtung der einzelnen Phänomene. Ein besseres Verständnis der Phänomene wird durch die präzise Definierung der Pflegekonzepte innerhalb der Pflegetheorie und ihre Beziehungen erreicht.

Wir können uns das also vorstellen, wie ein Baukasten. Wir haben erst einmal etwas, dass wir in der Pflege beobachten (Phänomene). Diese Phänomene werden dann durch das „Aussprechen“ zum Konzept bzw. zu unterschiedlichen noch zu abstrakten Konzepten. Diese Konzepte wiederum werden gebündelt und in Beziehung zu einander gesetzt und in einer Theorie gebündelt. Sie sollen das Soll der Pflege beschreiben.

In einem Modell kann das Ganze vereinfacht dargestellt und runtergebrochen werden.

19. Juni 2018

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