Konzepte, Modelle und Theorien in der Pflege – Ein Einblick in die Entwicklung

Jeder professionell Pflegende, der eine Ausbildung genossen hat, ist während dieser Ausbildung mit diesen Begrifflichkeiten in Berührung gekommen. Und: Jeder der eine Weiterbildung besucht, kommt wieder mit ihnen in Berührung. Häufig wird die Thematik als abstrakte Theorie empfunden und wir wollen in der Blogreihe, in welcher wir uns einige Begriffsdefinitionen, wichtige TheoretikerInnen und einige Modelle/Theorien (Rogers, Peplau, Böhm) einmal anschauen, den Weg zu einem größeren Verstehen ebnen und das Abstrakte aus der Thematik ein wenig extrahieren.

Kommen wir als erstes einmal zu den Begriffsdefinitionen bzw. der Professionalisierung. Im täglichen Sprachgebrauch und auch in der Fachliteratur, werden die Begriffe: Konzept, Modell und Theorie sehr unterschiedlich verwendet. Weil das Gesundheitswesen doch sehr Komplex ist mittlerweile und sich daraus für die Berufsgruppe der Pflegenden viele Fragen ableiten ist eine klare Begriffsstruktur sehr wichtig und die Basis für die Entwicklung von Pflegewissen, um die Kernkompetenzen der Pflegenden sichtbar zu machen. Die Professionalisierung einer Berufsgruppe ist von großer Bedeutung, wenn es darum geht, die Theorie wirklich zu leben.

Von den Pionierinnen der Pflegetheorie und auch von den jüngeren Pflegetheoretikerinnen wird der Status der Professionalisierung für die Erfüllung der gesellschaftspolitischen Ziele der Pflege als besonders wichtig angesehen. (Vgl. Kühne-Ponesch, 2004).

„Mit der zunehmenden Professionalisierung der Pflege ist es im deutschsprachigen Raum seit dem Beginn der neunziger Jahre verstärkt zur Auseinandersetzung mit Pflegetheorien und- Modellen gekommen. Innerhalb der Berufsgruppe wuchs die Einsicht, dass die Praxisdisziplin Pflege einen abstrakten wissenschaftlich orientierten Rahmen aufweisen sollte“ (Kühne-Ponesch, 2004, S.11).

Pflege befasst sich sowohl mit psychischen, sozialen und geistigen Bedürdnissen als auch mit den körperlichen Befindlichkeiten. Dabei stellt sich die Pflegekomplexe neue Aufgaben (In Kühne- Ponesch S. 11 vgl. Horx 2003, 2004; Hirschfeld):

  • Neuartige gesundheitliche Beeinträchtigungen;
  • Soziodemographische Veränderungen der Gesellschaft;
  • Zunehmende Mündigkeit der Patienten und Klienten;
  • Fortschritt durch neuartige Behandlungsmethoden in Pflege, Medizin und Medizintechnik;
  • Steigerung von Kosten im Gesundheitswesen;
  • Generelle Ressourcenknappheit in der Versorgung der Bevölkerung;
  • Gesellschaftlicher Wertewandel (z.B. zunehmende Individualisierung, größeres Gesundheitsbewusstsein, neue Geschlechterrollen);
  • Zunehmende Migration und Mobilität von Menschen verschiedener Kulturen;)
  • Zunehmende Vergrößerung der Kluft zwischen arm und reich;
  • Verschiedenartigkeit von Patientengruppen (Flüchtlinge, Opfer von Gewalttaten, Obdachlose);
  • Ökonomisierung

Diese Veränderungen in der Gesellschaft führten schon immer mal wieder zu Teilreformen im Gesundheitssystem z.B. Ausbau QM, Casemanagement, Guidelines etc.)

Folgende Fähigkeiten in der Berufsgruppe der Pflegenden (und anderer Gesundheitsberufe) sollten weiter ausgebaut und optimiert werden, um im „Gesundheitswesen von Morgen“ bestehen zu können:

  • „Flexibilität gegenüber den Anforderungen einer sich verändernden Gesellschaft;
  • Fähigkeiten zur Auseinandersetzung mit der komplexen Welt;
  • Umsetzung von theoretischem Wissen in die Praxis;
  • Reflexion und kritische Auseinandersetzung mit Praxis und Theorie;
  • Fähigkeit zur Interdisziplinarität und Multiprofessionalität;
  • Fähigkeit zur Beeinflussung der Politik;
  • Fähigkeit zur Schaffung von sozialem und menschlichem Kapital.

Pflege ist aufgefordert, gemeinsam mit anderen Partnern aus dem Gesundheitswesen Erklärungen und Konzepte für die Aufgaben von heute und morgen zu gestalten. Der Einsatz von Theorien und Modellen der Pflege können die Entwicklung dabei positiv unterstützen“ (vgl. Kühne-Ponesch 2004, S.12).

„Bei vielen Pflegenden besteht immer noch ein Unbehagen im Umgang mit und in der Diskussion über Theorien. Es herrscht Unklarheit darüber, welchen Beitrag Theorien in der Entwicklung von Pflegewissen und in der Entwicklung des Berufes leisten können. Dabei haben theoretische Arbeiten in den letzten Jahren nicht nur mengenmäßig zugenommen, es ist auch zu beobachten, dass sich die Qualität der wissenschaftlichen Diskurse enorm gesteigert hat. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Wichtigkeit von Theorie in der Pflege immer mehr anerkannt wird. Theorie ist inzwischen integrativer Bestandteil in unterschiedlichsten Bereichen: Sie beeinflusst die Rolle der Praktikerinnen, die Tätigkeit der Pflegeexpertinnen und-beraterinnen, die Didaktik und den Fokus der Lehre und leitet und gestaltet die Forschung“ (vgl. ebda. S.13).

Theoretisches Denken hat kein Anfang und kein Ende. Es findet statt indem

  • Fragen aus der Praxis“ identifiziert werden
  • Einem Diskurs zugeführt werden,
  • Beantwortet werden und
  • Die Ergebnisse des Fragendiskurses an den Entstehungsort der Fragen zurückgeführt werden.

Dies ist ein sich schließender Prozess. Pflegetheorie baut auf der Pflegepraxis auf. (Vgl.ebda. S.13ff).

Soweit einige theoretische Betrachtungen vorweg. In den folgenden Blogartikeln, tasten wir uns langsam ran an Begrifflichkeiten, bestimmte Theorien und Modelle und die Erklärung der Sinnhaftigkeit dahinter. Pflegetheorie und Pflegewissenschaften können sehr spannend sein und es erstrebenswert Hintergründe zu verstehen und zu sehen wozu Pflege auch im wissenschaftlichen Kontext fähig ist. Es ist auch Anspruch mit berufspolitischen Ansinnen, die Pflege als Profession zu stärken.

19. Juni 2018

1Antworten an "Konzepte, Modelle und Theorien in der Pflege - Ein Einblick in die Entwicklung"

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