Konzepte, Modelle und Theorien in der Pflege – Hildegard Peplau

In diesem Blogartikel, wollen wir uns einmal die Theorie von Hildegard Peplau etwas näher anschauen, da diese eine der Ersten war, die verschiedene Theorien in ihre Theorie integrierte. Vor allem Arbeiten von Psychiatern und Psychologen hatten hier einen Einfluss.

Sie bezieht sich auf die Motivationstheorie von Maslow, die Persönlichkeitstheorie von Miller und das Reiz-Reaktionsmodell von Pawlow, Adorno, Erickson, Freud und Fromm waren weitere Einflüsse. Am meisten Einfluss und Bedeutung hatte für Peplau jedoch Harry Stuck Sullivan mit seinen Arbeiten (Psychiatrie). Eine Annahme von Sullivan ist, dass Menschliches erhalten durch den Wunsch nach Befriedigung und dem Wunsch nach Sicherheit angetrieben wird.

Auf der Basis von dieser vielfältigen Anregung entwickelte Peplau ihr prozessorientiertes Modell. Die Erfahrungen in der psychiatrischen Krankenpflege fließen hier mit ein.

In ihrer Definition von Pflege schuf Peplau den Begriff der psychodynamischen Pflege, der die Bedeutung der Pflegenden- Patienten-Beziehung in den Mittelpunkt stellt. Peplau geht es darum zu Erkennen und zu klären, was dann passiert, wenn sich eine Pflegende unterstützend einem Patienten zuwendet. Ihre Annahme dabei lautet:

„Die Persönlichkeit einer Pflegenden, ist für den Lernprozess des Patienten von Bedeutung; die Förderung der Persönlichkeit zum reifen Menschen ist Aufgabe der Pflege und der Pflegeausbildung. Methoden der Bearbeitung und des Verstehens von zwischenmenschlichen Beziehungen müssen deshalb Inhalt der Lehre sein“ (Kühne-Ponesch 2004, S. 127).

Laut Peplau gibt es vier Phasen der Pflegenden –Patient Beziehung, welche Auskunft darüber geben, auf welchem Entwicklungsstand sich die Beziehung befindet:

  • Orientierung
  • Identifikation
  • Ausbeutung
  • Entscheidung

„In der Orientierungsphase hat der Patient den Wunsch, sich aufgrund eines Leidens professionell helfen zu lassen (feel need). Der Leidensdruck ist der erste Schritt zur Weiterentwicklung der Persönlichkeit. Die Pflegende hilft dem Patienten seine Probleme und Bedürfnisse zu benennen und zu verstehen, um in weiterer Folge geeignete Hilfe für in abzuleiten. Das Gesagte muss für den Patienten verständlich formuliert werden, um ihm die Möglichkeit der aktiven Teilnahme zu geben. In dieser Phase entsteht die Grundlage für die weitere Kooperation zwischen dem Pflegenden und dem Patienten. Man kann von einer „Partnerbeziehung“ sprechen.

In der Identifiktionsphase erfolgt eine Identifikation des Patienten mit den Personen, die ihm Hilfe anbieten. Die Beziehung zwischen dem Pflegenden und dem Patienten wird dadurch gefestigt, Vertrauen kann aufgebaut werden. Es wird der Weg bereitet, aktiv als Patient am Pflegeprozess mitzuwirken. Die in einer Krankheitssituation gemachten Erfahrungen können sich ebenso fördernd oder hemmend auf eine aktive Beteiligung an einem Beziehungsprozess auswirken wie der Wissensstand des Patienten in Gesundheitsbelangen. Ein allgemein gutes Bildungsniveau wirkt sich günstig auf das sprachliche Ausdrucksvermögen und das Verstehen und Verstanden werden aus. Ist der Patient passiv und bringt er sich nicht in das Pflegegeschehen mit ein, ist es die Aufgabe der Pflegenden die Beziehung und die damit verbundenen Ängste zu reflektieren.

Im Stadium der Ausbeutung oder Nutzungsphase sollte der Patient maximalen Nutzen für die Bewältigung seines Leidens aus der Beziehung ziehen. Dies gelingt ihm nur, wenn er seine Situation besser verstehen lernt und Gebrauch von den angebotenen Leistungen macht. Die Kraft der Pflegenden geht dabei auf den Patienten über, neue Ziele können formuliert und angestrebt werden. Die Pflegende gibt dem Patienten dabei das Gefühl der positiven „Mutterliebe“.

Im Stadium der Entscheidung oder Ablösung werden alte, für den Patienten nicht mehr relevante Ziele verworfen, neue werden angestrebt. Der Patient befreit sich aus der Beziehung zur Pflegeperson und ist wieder offen für die Beziehungsaufnahme außerhalb des Gesundheitsbereiches. Er übernimmt wieder selbst die Verantwortung für sich. Dieser Prozess läuft meist parallel mit dem Heilungsprozess und weist auf eine Genesung hin. Es kommt nicht selten vor, dass Pflegende Schwierigkeiten haben den Patienten loszulassen und eigene Abhängigkeitsbedürfnisse befriedigen. Der Ablöseprozess, der immer vom Patienten auszugehen hat, wird dadurch erschwert“ (Kühne-Ponesch 2004, S.127ff).


Definition von Gesundheit und Krankheit in diesem Prozess

„Gesundheit kann durch „Wachstum“ erreicht werden. Wachstum, das mit Entwicklung der Persönlichkeit gleichgesetzt wird, vollzieht sich, wenn es gelingt Krankheitserfahrungen in die Persönlichkeit zu integrieren und daraus zu lernen. Peplau sieht ein Ziel im kreativen, konstruktiven, produktiven und vor allem gesellschaftlich anerkannten Leben. Sie definiert Krankheit als unvermeidliche menschliche Erfahrung. Wenn man einen Sinn in der Krankheit finden kann, kann sie als eine Wachstumserfahrung empfunden werden“ (ebda. S.129).


Aufgaben der Pflege

Bei Peplau hat die Pflege die Aufgabe, verschiedene Rollen einzunehmen und dadurch den Patienten kennenzulernen und zu unterstützen. Wenn dies nicht gelingt, dann kann Chronizität die Folge sein. Die brachliegenden Fähigkeiten der Patienten sollen identifiziert und im Sinne der Vorbeugung vor Erkrankungen genutzt werden. Die Pflegende nimmt folgende Rollen im Pflegeprozess ein: Rolle der Unbekannten, der Hilfsperson, Lehrerrolle, Führungsrolle, Stellvertreterrolle, Beraterrolle.

Einige Verhaltensweisen innerhalb dieser Rollen, die die Pflegekraft innehat, sollten Pflegekräfte laut Peplau auf garkeinen Fall zeigen:

  • Den Patienten mit Erzählungen über das eigene Leben behelligen
  • Den Patienten zum Lieblingspatienten erheben und dies im Arbeitsalltag erkennen zu lassen
  • Den Patienten für kleine Aufträge ausnützen
  • Bei Streitigkeiten zwischen Patienten Schiedsrichter zu spielen;
  • Zu reagieren, wenn Patienten sich selber herabsetzen,
  • Auf Abhängigkeitstendenzen wie „ich bin abhängig und hilflos“ einzugehen;
  • Das Verhalten anderer Pflegepersonen mit dem Patienten besprechen;
  • Sich auf kumpelhafte Beziehungen mit Patienten einzulassen;
  • Mehrdeutige Aussagen machen.

Ziel ist immer die Entwicklung der Persönlichkeiten aller Beteiligten im Beziehungsprozess!

Eine große Rolle spielt die konstruktive Entwicklung im Sinne von Kreativität, Produktivität und Gemeinschaftlichkeit. Peplau spricht hierbei sogar von Pflege als Erziehungsinstrument.

„Es gilt die zwischenmenschliche Beziehungen in Form der Rollen bewusst zu machen, d.h. der Situation entsprechend Rollen therapeutisch auszufüllen, diese zu reflektieren und daraus zu „lernen“. Pflegende müssen über psychotherapeutische Fähigkeiten, über Kenntnisse des Problemlösungsprozesses und Kompetenzen und Erfahrungen Im Beobachten und in der Ausübung verschiedenen Kommunikationstechniken verfügen“ (ebda. S.132).


Entwicklung der Beziehung

Phase Rolle der Pflegenden Fokus Pflegeprozess
Orientierung Unbekannte/Hilfsperson/Beraterin Problemdefinition Auswahl der Pflegenden Assessment
Identifikation Lehrerin/Führerin Klinische Beoabachtungen/Messungen Planung
Ausbeutung Führerin/Stellvertreterin, Lehrerin Lösungsstrategien anwenden Durchführung
Lösung Ressource, Hilfsperson, Lehrerin Beenden der professionellen Beziehung Evaluation

(ebda. S 132)

Soweit der wichtigste Ausschnitt aus der Theorie von Peplau. Um dies mit einem Praxisbeispiel zu vertiefen, lesen Sie z.B. „Modelle und Theorien in der Pflege“ von Silvia Kühne-Ponesch. Dort ist die Theorie noch mit einem Praxisbeispiel ausgeführt.

19. Juni 2018

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