Modelle und Theorien in der Pflege – Psychographisches Pflegemodell nach Böhm

Im Folgenden schauen wir uns einmal die Grundzüge von Böhm und seinem Pflegemodell an. (Entnommen Kühne-Ponesch 2004 S. 138 ff)

Wer mehr dazu im Detail wissen möchte, findet das in dem genannten Buch und in weiteren Büchern:

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Der Artikel ist dazu gedacht einen Überblick zu bekommen über den Ansatz und die Grundbegriffe und dies dann als Ausgangpunkt zu nehmen um sein Wissen zu vertiefen.

Hierzu erst einmal einen Einblick in seine Kurzbiographie:

1940 in Österreich geboren, erlernte das Handwerk eines Autospenglers

1963 Diplom der Krankenpflege, Berufliche Tätigkeit in der Psychiatrie

1970 Abschluss zum Lehrpfleger

1974 Oberpfleger am psychiatrischen Krankenhaus in Wien

1980-1982 Pflegedienstleiter der Abteilung „Übergangspflege“ am Kuratorium für psychosoziale Dienste in Wien

1985 Publikation des ersten Buches: „Krankenpflege-Brücke in den Alltag“

1990 Gründung der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrische und Psychogeriatrische Fachkrankenpflege angewandte Pflegeforschung“.

2000 Ernennung zum Professor

2001 Gründung des „Europäischen Netzwerks für Psychobiographische Pflegeforschung nach Prof. Böhm“ (ENPP).

Böhm erhielt viele Auszeichnungen und Preise u.a. den Preis der Anton-Benya Stiftung, das silberne Verdienstzeichen der Stadt Wien, den Gießner Krankenpflegepreis und den „Ehren-Lazarus“.


Definition von Pflege

Böhms Modell befasst sich mit den Möglichkeiten, die Selbstpflege und Selbstfürsorge alter und verwirrter Menschen solange wie möglich zu erhalten bzw. wiederherzustellen. In seiner beruflichen Erfahrung als Pfleger, beobachtete er immer wieder, wie Pflegepersonen Alltagstätigkeiten der Patienten unreflektiert übernehmen und diese so in Abhängigkeitsverhältnisse treiben. Böhm kritisierte diese-wie er es nannte- „warm-satt-sauber-Pflege und fordert die Pflegenden zu einer „Pflege mit der Hand in der Hosentasche“ auf: Auch wenn bereits kognitive Defizite vorhanden sind, sollten verlorene Fähigkeiten mit pflegerischer Unterstützung wieder entdeckt und im täglichen Leben angewendet werden. So wie in anderen Modellen auch, ist es ein Anliegen Böhms der Pflege einen sozialpolitischen Auftrag mitzugeben: Die Pflegenden sollen ihren Blickwinkel erweitern, Pflege soll toleranter werden; Böhm fordert sich vom “ Weltbild der Nächstenliebe“, „der Mutterrolle“ und der Vorstellung des „glücklichen Patienten mit Vollversorgung“ zu lösen (Böhm 1994, S.28).

Die Pflegenden haben sich dabei mehrere Fragen zu stellen (Böhm 1999, S. 43):

  • Habe ich eigentlich ein Bedürfnis zu helfen?
  • Und wenn ja-wem?
  • Fühle ich mich gar (wie andere auch) berufen?
  • Habe ich wenigsten eine Neigung zu helfen?
  • Oder gar eine Pflegeneurose?
  • Bin ich altruistisch?
  • Oder bin ich gar versteckt aggressiv gegenüber Betagten?
  • Bin ich meiner Mutter etwas schuldig (und pflege ich daher andere?)


Definition von Gesundheit und Krankheit

Böhm bezieht sich in seiner Definition von Gesundheit und Krankheit auf Parsons, indem er „Gesundheit als einen Zustand optimaler Leistungsfähigkeit für die wirksame Erfüllung der Rollen und Aufgaben, für die ein Mensch sozialisiert wurde“ definiert (Böhm 1999, S.45). Er geht von der Annahme aus, dass Gesundheit primär genetisch festgeschrieben ist, sekundär aber von der Person selbst gesteuert und von der Umwelt beeinflusst werden kann. Gesundheit (im Sinne seelischer Gesundheit) ist alles, was normal ist, was man in einer Gesellschaft üblicherweise tut oder lässt. Normalität und Gesundheit sind somit das Ergebnis sozialer Konstruktion.

Krank zu sein heißt, nicht mehr in der Lage zu sein, die dem Alter entsprechenden Aufgaben durchzuführen. Das Kranksein unterscheidet sich vom eigentlichen Begriff der Krankheit, die eine mögliche Ursache für ein solches Unvermögen sein kann. Die Gründe für eine Krankheit können vielfältig sein: Das Wertesystem zerfällt z.B. durch die Notwendigkeit, die eigene Wohnung zu verlassen, das Selbstbild geht aus verschiedenen Gründen verloren oder Unter-und Überforderung treten auf und können durch mangelndes Coping nicht abgefangen und bearbeitet werden.


Aufgabe der Pflege

Jeder Mensch wird während seines Lebens durch verschiedene Ereignisse geprägt. Reaktionen, die im Alter auftreten, sieht Böhm als Ausdruck dieser „Prägungszeit“. Die Verhaltensmuster, die Menschen in ihrer Verwirrtheit zeigen, hängen besonders eng mit der Prägung in der Kindheit und Jugend zusammen. Das Modell Böhms geht davon aus, dass die früheren Prägungen (die ersten 25 Jahre) tiefer im Bewusstsein verankert sind und nachhaltiger unser Verhalten bestimmen als später erlernte Bewältigungsmuster (Copings). Je älter die erlernten Muster, umso länger halten sie sich im Abbauprozess. Böhm verfolgt in der Pflege folgende, grundsätzliche Zielsetzungen:

  • Die Wiederbelebung der Altersseele
  • Die Belebung der Pflegerseele
  • Die Auffassung von gesellschaftlicher Normalität durch Diskussion zu erweitern.

In Anlehnung an den Regelkreis des wissenschaftlichen Handelns würden die einzelnen Schritte wie folgt aussehen:

  1. Wahrnehmen, Beobachten, Dokumentieren eines Verhaltens im Tagesbericht
  2. Problemerhebung, Wochenbogen
  3. Assoziieren eines Problems –mit eigener Fachkenntnis nach dem Grundsatz des Normalitätsprinzips
  4. Biographieerhebung
  5. Hypothese (Was ist Hintergrund dieses Verhaltens? Ursachensuche (pflegediagnostischer Anteil im Modell)
  6. Pflegeimpulse/ Interventionen
  7. Ausstieg aus dem Kreis bei Besserung des Zustandes. Evaluierung. Fand keine Besserung statt, wird der Durchgang neu gestartet.

Hierwürde es nun erforderlich werden, sich intensiv mit den einzelnen Aspekten zu beschäftigen um das Modell vertieft zu verstehen. (Siehe Empfehlung oben).

Da bereits genannte reißt die Eckpfeiler des Modells an.

 

31. Juli 2018

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