Theorien, Konzepte und Modelle – Theorieentwicklung und Anwendung-warum?

Im letzten Blogbeitrag unserer Reihe, haben wir uns erst einmal die „Lage“ der Pflege und Pflegewissenschaft generell angeschaut. In diesem zweiten Beitrag (bevor wir zu den konkreten Begriffsdefinitionen und Modellen kommen, wollen wir uns noch einmal anschauen, warum überhaupt die Notwendigkeit besteht mit diesen zu arbeiten.

Beginnen wir diese Ausführung mit einem sehr deutlichen Zitat von Käppli „Ein Beruf ohne definierbaren, spezifischen Wissens-und Tätigkeitsbereich hat keinen Anspruch auf Autonomie“ (in Kühne-Ponesch, 2004) oder laut Bishop/Scuder in Kirkevold 2002:
„Eine Praxis die sich nicht entwickelt, in dem sie ihre Möglichkeiten verwirklicht ist tot“.

Um einige Oberbegriffe (Gründe) zu nennen, warum die Pflege, Theorien braucht:

  • Entwicklung eines „Body of Knowlege“
  • Schlüsselkonzepte identifizieren und formulieren
  • Pflegeleistung transparent darstellen
  • Vorantreiben der Professionalisierung der Pflege
  • Die Erfüllung eines gesetzlichen Auftrages
  • Beeinflussung des Selbstverständnisses von Pflege
  • Professionalisierung
  • Prestige und Anerkennung durch die Gesellschaft

 

Jeder Grund für sich gesehen erfordert eine ausführliche Erklärung. Wir wollen uns jedoch erst einmal zwei Aspekte etwas genauer anschauen. Vertiefen werden Sie die Thematik in Ihrer Leitungsweiterbildung oder selbstständig (z.B. über das Buch: Modelle und Theorien in der Pflege von Silvia Kühne-Ponesch, erschienen im Verlag Facultas UTB).

  1. Entwicklung eines Body of Knowlege

„Das Ziel wissenschaftlicher Theoriebildung besteht darin, Ereignisse, Objekte, Personen zu beschreiben, zu erklären, vorauszusagen und abhängig von der wissenschaftstheoretischen Orientierung auch vorzuschreiben und zu kontrollieren“ Schnepp in Kühne-Ponisch, S. 17).

Erst durch die Bildung einer Theorie (Eines Wissenskörpers) werden die Bestände an Wissen, die eine Disziplin hat auch gesichert. Ansonsten würde es ja quasi verpuffen.

Stellen Sie sich vor, es wird z.B. auf dem Gebiet der Medizin geforscht, aber diese interessanten und wichtigen Ergebnisse, die bestimmte Effekte haben auf das Leben und die Gesundheit von Menschen, werden nicht festgehalten, sondern nur hin und wieder mal in der Praxis weitergegeben aber kontextlos. Keiner wird sich an bestimmte Abläufe halten können, viel Versuch und Irrtum findet statt. Was würde das für diese Praktiken, Techniken und das Wissen an dieser Stelle bedeuten?

Intuitives und erfahrungsbezogenes Wissen muss theoretisch überdacht werden, damit es Bestand hat! Dadurch entsteht dann ein eigenes wissenschaftliches Fach der Pflege. Theoriearbeit ist erforderlich für eine Berufsgruppe um den Anforderungen gerecht zu werden und strukturiert und analytisch gegen übertreten zu können.

Pflege ist eben nicht nur eine Aneinanderreihung von Einzeltätigkeiten oder das weisungsabhängige Handeln im Gefolge der Medizin, um dies ganz klar nach außen darzustellen muss über Pflege und ihr theoretisches Gerüst reflektiert werden können.

  1. Pflegeleistungen transparent darstellen

Um auch der Gesellschaft zu zeigen, was Pflege tut, braucht es eine gewisse transparent, sonst müssen wir uns nicht wundern, wenn ein falsches Bild entsteht.

„Theorien stellen geordnetes und nachprüfbares Wissen über Pflege zur Verfügung“ (Steppe 2000 in Kühne-Ponesch, S.19)

„Klar fundierte Theorien mit haltbaren Definitionen über Pflege, die anhand wissenschaftlicher Kriterien erstellt und überprüft werden, machen Leistungen transparent. Pflegeleistung sichtbar zu machen ist für Pflegende als Berufsinsider ebenso bedeutsam wie für Außenstehende, denen das Zustandekommen von pflegerischen Ergebnissen so bewusstgemacht werden kann. Der logische Zusammenhang der Schlüsselkonzepte wird nachvollziehbar. Steffen-Bürgi zeigt in ihrer Arbeit über „offizielle“ und „inofffizielle“ Inhalte der Pflege eindrucksvoll, dass „inoffizielle Inhalte“, d.h. solche die Pflegepersonen selbst nicht als pflegerelevant erkennen, durch komplexe und vielschichtige Pflegesituationen provoziert werden und die Pflegenden aufgrund ihrer mangelnden theoretischen Kenntnisse nicht fähig sind diese zu thematisieren. Als Folge kann es zu einer „Sprachlosigkeit“ der Pflegenden kommen, die sich immer wieder reproduziert. Denn Wahrgenommenes und Beobachtetes, das sich als Wirklichkeit für Pflegende darstellt, wird in Sprache umgesetzt. Die Verwendung dieser Sprache formt weitere Wirklichkeiten. Das Sichtbare von Pflege, in der Dokumentation sprachlich festgehalten, ist das Ergebnis des Selbstverständnisses und der kognitiven Leistung der Berufsgruppe“ (Kühne-Ponesch, S.19).

Dies bedeutet ganz einfach ausgedrückt, dass das was der Berufsgruppe der Pflegenden bewusst ist und benannt wird, etwas ist, was offiziell wird und nachvollziehbar und damit etwas, was auch für Außenstehende klarer und die Notwendigkeit deutlich gemacht wird.

Ein sehr schönes Zitat dazu ist von Lang 2003:

„If you cannot name it, you cannot teach it, research it, practice it, finance it, or put it into public policy.“

Dieses Zitat bringt alles ziemlich genau auf den Punkt. Denn genau darum geht es hier.

(Wenn du es nicht benennen kannst, kannst du es nicht lehren, erforschen, praktizieren, finanzieren oder in die öffentliche Politik einbringen.)

 

19. Juni 2018

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